blog search

Follow us

RSS
blog search
Karriere
Menu
Home > An- & Einsichten > Bürokratie in Beschaffung und Wirtschaftspolitik Karriere

Claudia Mattig

dipl. Lm.-Ing. ETH,
Master of Arts HSG in Accounting and Finance,
dipl. Wirtschaftsprüferin




Follow us

RSS
RSS

Claudia Mattig

dipl. Lm.-Ing. ETH,
Master of Arts HSG in Accounting and Finance,
dipl. Wirtschaftsprüferin




04.2026

 

Bürokratie in Beschaffung und Wirtschaftspolitik

 

In der Wirtschaftspolitik dominierte zuletzt das Thema «USA und Zölle». Doch neben Zöllen existieren subtilere, nicht minder einschneidende Handelshemmnisse. Die NZZ titelte kürzlich: «Nach America first nun auch mehr made in Europe: Die EU schottet ihre Märkte stärker ab. Und die Schweiz droht dabei aufzulaufen». Gemeint ist eine strategische Stärkung der europäischen Eigenbeschaffung.

 

Was auf den ersten Blick wie ein nachvollziehbarer Reflex wirkt, die Förderung lokaler Wertschöpfung, insbesondere bei staatlichen Investitionen, hat weitreichende Folgen. Die Schweizer Wirtschaft fürchtet zurecht, trotz bilateraler Verträge ins Abseits zu geraten. Die EU setzt ihre Strategie nicht über plumpen Protektionismus um, sondern über strengere Eignungsnachweise, umfangreiche ESG-Berichte und detaillierte Kalkulationsvorgaben.

 

Während Grossunternehmen eigene Compliance-Strukturen unterhalten, müssen KMU externe Beratung einkaufen oder intern Kompetenzen aufbauen. Das erhöht Fixkosten, unabhängig vom Zuschlag. Wirtschaftlich oft kaum tragbar, führt dies faktisch zum Marktausschluss. Das Problem ist dabei weniger das «Schweizer sein» als die fehlende kritische Grösse und Erfahrung mit einer anderen Beschaffungskultur.

 

Die EU-Bürokratie wird häufig kritisiert. Doch reines Lamentieren hilft nicht, zumal auch die Schweiz sich regulatorisch weiterentwickelt und wir mit der Art des Denkens und Verwaltens zurechtkommen müssen, wenn wir auch in der EU öffentliche Aufträge gewinnen wollen. Denn: Kein Betrieb gewinnt durch Klagen einen Auftrag. Mehr Bürokratie ist nicht nur Vorgabe, sondern Bedingung eines grossen Kunden. Dem müssen sich KMU stellen und dazu die Weichen stellen: Strategische Kooperationen, etwa nach dem Vorbild von ARGE-Strukturen im Bauwesen, können IT-Kosten teilen, Referenzen bündeln und Risiken verteilen oder gezielt in die weitere Digitalisierung investieren.

 

Mehr Bürokratie ist kaum aufzuhalten und macht nicht an Landesgrenzen Halt. Entscheidend ist daher nicht die Klage, sondern die strategische Anpassung, um Risiken zu begrenzen und neue Märkte zu erschliessen.

 

 

© iStock.com/KanawatTH

 

 

RSS

1

Tags: An- und Einsichten, Wirtschaftspolitik, Handelshemmnisse, Protektionismus, Compliance, Bürokratie, Digitalisierung

04.2026

Bürokratie in Beschaffung und Wirtschaftspolitik

 

In der Wirtschaftspolitik dominierte zuletzt das Thema «USA und Zölle». Doch neben Zöllen existieren subtilere, nicht minder einschneidende Handelshemmnisse. Die NZZ titelte kürzlich: «Nach America first nun auch mehr made in Europe: Die EU schottet ihre Märkte stärker ab. Und die Schweiz droht dabei aufzulaufen». Gemeint ist eine strategische Stärkung der europäischen Eigenbeschaffung.

 

© iStock.com/KanawatTH

 

Was auf den ersten Blick wie ein nachvollziehbarer Reflex wirkt, die Förderung lokaler Wertschöpfung, insbesondere bei staatlichen Investitionen, hat weitreichende Folgen. Die Schweizer Wirtschaft fürchtet zurecht, trotz bilateraler Verträge ins Abseits zu geraten. Die EU setzt ihre Strategie nicht über plumpen Protektionismus um, sondern über strengere Eignungsnachweise, umfangreiche ESG-Berichte und detaillierte Kalkulationsvorgaben.

 

Während Grossunternehmen eigene Compliance-Strukturen unterhalten, müssen KMU externe Beratung einkaufen oder intern Kompetenzen aufbauen. Das erhöht Fixkosten, unabhängig vom Zuschlag. Wirtschaftlich oft kaum tragbar, führt dies faktisch zum Marktausschluss. Das Problem ist dabei weniger das «Schweizer sein» als die fehlende kritische Grösse und Erfahrung mit einer anderen Beschaffungskultur.

 

Die EU-Bürokratie wird häufig kritisiert. Doch reines Lamentieren hilft nicht, zumal auch die Schweiz sich regulatorisch weiterentwickelt und wir mit der Art des Denkens und Verwaltens zurechtkommen müssen, wenn wir auch in der EU öffentliche Aufträge gewinnen wollen. Denn: Kein Betrieb gewinnt durch Klagen einen Auftrag. Mehr Bürokratie ist nicht nur Vorgabe, sondern Bedingung eines grossen Kunden. Dem müssen sich KMU stellen und dazu die Weichen stellen: Strategische Kooperationen, etwa nach dem Vorbild von ARGE-Strukturen im Bauwesen, können IT-Kosten teilen, Referenzen bündeln und Risiken verteilen oder gezielt in die weitere Digitalisierung investieren.

 

Mehr Bürokratie ist kaum aufzuhalten und macht nicht an Landesgrenzen Halt. Entscheidend ist daher nicht die Klage, sondern die strategische Anpassung, um Risiken zu begrenzen und neue Märkte zu erschliessen.

 

Tags: An- und Einsichten, Wirtschaftspolitik, Handelshemmnisse, Protektionismus, Compliance, Bürokratie, Digitalisierung


RSS

1


Claudia Mattig

dipl. Lm.-Ing. ETH,
Master of Arts HSG in Accounting and Finance,
dipl. Wirtschaftsprüferin




Impressum  Datenschutzerklärung
×

blog.mattig.swiss